69 FotosAlt Rehse - ein Museumsdorf. ( 2007 / 2010 )
Abgelegen von allen Bundesstraßen am gebirgigen Westufer/ Hang des herrlichen Tollensesees, einer Perle hier bei Neubrandenburg. Von Penzlin der "Hexenstadt" an der B 192 fährt man durch den alten Ort hintenrum über traumhafte mecklenburger Landschaft meist im blühenden Rapsgelb. Am Flecken "Siehdichum" hat man den weiten See unter sich liegen. Nach wenigen km hat man dann plötzlich Alt Rehse erreicht.
Der Ort ist slawischen Ursprungs, hier lebten nach Abzug der germanischen Bewohner in der Völkerwanderung die mittelalterlichen Stämme der Redarier und Tollenser aus dem Stammesverband der Wilzen, die später auch im Liutizenbund vereinigt waren. Rehse könnte sich aus der altslawischen Sprache ableiten und soviel wie „Ort am Wasser“ bedeuten.
Alt Rehse wird 1182 als „reze“ in einer Bestätigungsurkunde von Pommernherzog Bogislaw I. für Besitzungen des Klosters Broda erstmalig erwähnt. Ob es sich bei einem Ort, welcher als „michnin“ (1170), „Michninow“ (1244) bzw. „Michnino“ (1328) in teilweise gefälschten Urkunden erwähnt wurde, um Alt Rehse oder um ein anderes Dorf handelte, ist nicht mit hinreichender Sicherheit feststellbar.
Alt Rehse gehörte anfangs dem Prämonstratenserkloster Broda, ehe danach 22 verschiedene Eigentümer das am Tollensesee gelegene Dorf besaßen.
Freiherr Ludwig von Hauff, der 1897 das Gut kaufte, ein neues Schloss erbaute und den Gutspark in einen Landschaftspark umwandelte.
1934 kamen das Gut und der Park durch Enteignung an den Hartmannbund, der hier auf Verlangen der Reichsärzteführung die Führerschule der Deutschen Ärzteschaft bauen ließ und das Gut in Besitz nahm. Das alte Dorf wurde bis auf die Kirche, die Schule und das Pfarrhaus sowie einen Katen, den späteren Dorfkrug, abgerissen und es entstanden in der Folgezeit bis 1939 22 niederdeutsch wirkende Fachwerkhäuser mit Schilfrohrdächern.
In die Türbalken kamen die Jahreszahl der Erbauung nach dem nationalsozialistischen Machtantritt und die Namen jeweils eines deutschen Gaues. Der Lehrbetrieb ging bis Januar 1943, während das Gut für die Führerschule und die Reichskanzlei produzierte. Die heute noch sichtbare bauliche Gestaltung ist ein seltenes Beispiel von dörflicher Architektur im Nationalsozialismus.
In dem weitläufigen Berg-Park bis hinunter an den Tollenssee waren hier nach Kriegsende sowjetische Truppenteile stationiert. Anfangs der 50iger Jahre diente die Anlage der NVA-Führung zu Erholungszwecken. Und das sollte auch so bleiben bis zum Ende der DDR. Das Terrain war umzäunt und von einem Torposten bewacht. Ab Anfang der 70iger Jahre wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und das Objekt für die Errichtung halbunterirdischer Bauten auf eine südlich angrenzende Koppelfläche ausgedehnt. Es wurden umfangreiche Bunkersystemanlagen durch die NVA gebaut, die im Konfliktfalle als Führungsstelle des Militärbezirkes V (Neubrandenburg) genutzt werden sollten. Ein analoges Bunkersystem existiert in Kossa in der Dübener Heide. Dieses ist aber durch einen Verein bewirtschaftet auch gastronomisch !! und ist ein anerkanntes Museum. Vieles ist dort noch in einsatzbereitem Zustande und ist sehr gepflegt. Ein Besuch lohnt sich dort.
Hier im Waldpark sind die Bunker teilweise in den Berg getrieben worden. Es ist ein weitverzweigtes System, das generell aus DDR-Bunkersegmentteilen besteht. Sie sind nicht zugänglich, hier gibt es nichts aufregendes, die Bunkersysteme sind recht einfach und bei einem guten Treffer sicher auch schnell erledigt ... Allerdings ist das Gelände dafür bestens ausgesucht, es war weitläufigst abgesperrt und durch NVA - Streifen-Posten jederzeit abgesichert. Der Hauptzugang war von der Dorfstraße durch das NVA-Wachpersonal geregelt. Zu sehen gab es von hier aus nichts.
Auch ich hatte das "Vergnügen" hier einige Wachdienste zu schieben, das war damals in den Siebzigern. Auf Grund der Lage waren das recht angenehme Wachdienste, tags wie auch nachts. Nachts auf dem Bootssteg am Tollensesee, das war schon Urlaubsfeeling ... Historie !!
1990 zog die Bundeswehr als Rechtsnachfolger der NVA in das Park- und Bunkergelände ein, verließ es aber schon im Jahre 1998. Heute ist der riesige Park ein offenes aber privates Gelände und dient der Erholung. Das große Gutshaus im Park ist von einer Hamburger Familie bewohnt, es nennt sich heute "Tollense Lebenspark"
Meine gesponserte Fotoserie diente auch der Gestaltung eines Buches über die schlimme braune Vergangenheit des Ortes. Nachempfinden kann man das hier im örtlichen Museum an der Dorfstraße. Der tüchtige Verein unter der Leitung von Herrn Dr.Stommer versucht ganz gezielt diese Vergangenheit hier darzustellen.
Die neueste Literatur dazu: " Medizin im Dienste der Rassenidelogie " - Juni 2008, 136 Seiten.
Da das Dorf schon immer sehr fotogen war, lohnt sich auch hier ein Tagesbesuch bevor man sich in die nahe moderne Stadt Neubrandenburg zum shoppen oder spazierengehen begibt ... Leider ist diese einst herrliche mecklenburgische Ackerbürgerstadt noch 1945 durch sowjetische Truppen zerschossen und zerbomt wurden. Starrsinn der damaligen Stadtoberen ... Zu DDR-Zeiten wurde Neubrandenburg eine Bezirksstadt.
Mein damaliger Wunsch hier als Reservist und Wachposten zu einer Fotoserie, ging allerdings auch erst gut 30 Jahre später in Erfüllung ... Allerdings gelingt es mir heute hier öfter mal "Tach " zu sagen, der Ort hat mich gefesselt. Man sollte allerdings die Blütezeiten so ab Mai bis Juni nutzen - einfach traumhaft hier. Unser letzter Besuch im Mai 2010 fiel allerdings in eine mehrtägige Regenphase ...
Der Ort ist slawischen Ursprungs, hier lebten nach Abzug der germanischen Bewohner in der Völkerwanderung die mittelalterlichen Stämme der Redarier und Tollenser aus dem Stammesverband der Wilzen, die später auch im Liutizenbund vereinigt waren. Rehse könnte sich aus der altslawischen Sprache ableiten und soviel wie „Ort am Wasser“ bedeuten.
Alt Rehse wird 1182 als „reze“ in einer Bestätigungsurkunde von Pommernherzog Bogislaw I. für Besitzungen des Klosters Broda erstmalig erwähnt. Ob es sich bei einem Ort, welcher als „michnin“ (1170), „Michninow“ (1244) bzw. „Michnino“ (1328) in teilweise gefälschten Urkunden erwähnt wurde, um Alt Rehse oder um ein anderes Dorf handelte, ist nicht mit hinreichender Sicherheit feststellbar.
Alt Rehse gehörte anfangs dem Prämonstratenserkloster Broda, ehe danach 22 verschiedene Eigentümer das am Tollensesee gelegene Dorf besaßen.
Freiherr Ludwig von Hauff, der 1897 das Gut kaufte, ein neues Schloss erbaute und den Gutspark in einen Landschaftspark umwandelte.
1934 kamen das Gut und der Park durch Enteignung an den Hartmannbund, der hier auf Verlangen der Reichsärzteführung die Führerschule der Deutschen Ärzteschaft bauen ließ und das Gut in Besitz nahm. Das alte Dorf wurde bis auf die Kirche, die Schule und das Pfarrhaus sowie einen Katen, den späteren Dorfkrug, abgerissen und es entstanden in der Folgezeit bis 1939 22 niederdeutsch wirkende Fachwerkhäuser mit Schilfrohrdächern.
In die Türbalken kamen die Jahreszahl der Erbauung nach dem nationalsozialistischen Machtantritt und die Namen jeweils eines deutschen Gaues. Der Lehrbetrieb ging bis Januar 1943, während das Gut für die Führerschule und die Reichskanzlei produzierte. Die heute noch sichtbare bauliche Gestaltung ist ein seltenes Beispiel von dörflicher Architektur im Nationalsozialismus.
In dem weitläufigen Berg-Park bis hinunter an den Tollenssee waren hier nach Kriegsende sowjetische Truppenteile stationiert. Anfangs der 50iger Jahre diente die Anlage der NVA-Führung zu Erholungszwecken. Und das sollte auch so bleiben bis zum Ende der DDR. Das Terrain war umzäunt und von einem Torposten bewacht. Ab Anfang der 70iger Jahre wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft und das Objekt für die Errichtung halbunterirdischer Bauten auf eine südlich angrenzende Koppelfläche ausgedehnt. Es wurden umfangreiche Bunkersystemanlagen durch die NVA gebaut, die im Konfliktfalle als Führungsstelle des Militärbezirkes V (Neubrandenburg) genutzt werden sollten. Ein analoges Bunkersystem existiert in Kossa in der Dübener Heide. Dieses ist aber durch einen Verein bewirtschaftet auch gastronomisch !! und ist ein anerkanntes Museum. Vieles ist dort noch in einsatzbereitem Zustande und ist sehr gepflegt. Ein Besuch lohnt sich dort.
Hier im Waldpark sind die Bunker teilweise in den Berg getrieben worden. Es ist ein weitverzweigtes System, das generell aus DDR-Bunkersegmentteilen besteht. Sie sind nicht zugänglich, hier gibt es nichts aufregendes, die Bunkersysteme sind recht einfach und bei einem guten Treffer sicher auch schnell erledigt ... Allerdings ist das Gelände dafür bestens ausgesucht, es war weitläufigst abgesperrt und durch NVA - Streifen-Posten jederzeit abgesichert. Der Hauptzugang war von der Dorfstraße durch das NVA-Wachpersonal geregelt. Zu sehen gab es von hier aus nichts.
Auch ich hatte das "Vergnügen" hier einige Wachdienste zu schieben, das war damals in den Siebzigern. Auf Grund der Lage waren das recht angenehme Wachdienste, tags wie auch nachts. Nachts auf dem Bootssteg am Tollensesee, das war schon Urlaubsfeeling ... Historie !!
1990 zog die Bundeswehr als Rechtsnachfolger der NVA in das Park- und Bunkergelände ein, verließ es aber schon im Jahre 1998. Heute ist der riesige Park ein offenes aber privates Gelände und dient der Erholung. Das große Gutshaus im Park ist von einer Hamburger Familie bewohnt, es nennt sich heute "Tollense Lebenspark"
Meine gesponserte Fotoserie diente auch der Gestaltung eines Buches über die schlimme braune Vergangenheit des Ortes. Nachempfinden kann man das hier im örtlichen Museum an der Dorfstraße. Der tüchtige Verein unter der Leitung von Herrn Dr.Stommer versucht ganz gezielt diese Vergangenheit hier darzustellen.
Die neueste Literatur dazu: " Medizin im Dienste der Rassenidelogie " - Juni 2008, 136 Seiten.
Da das Dorf schon immer sehr fotogen war, lohnt sich auch hier ein Tagesbesuch bevor man sich in die nahe moderne Stadt Neubrandenburg zum shoppen oder spazierengehen begibt ... Leider ist diese einst herrliche mecklenburgische Ackerbürgerstadt noch 1945 durch sowjetische Truppen zerschossen und zerbomt wurden. Starrsinn der damaligen Stadtoberen ... Zu DDR-Zeiten wurde Neubrandenburg eine Bezirksstadt.
Mein damaliger Wunsch hier als Reservist und Wachposten zu einer Fotoserie, ging allerdings auch erst gut 30 Jahre später in Erfüllung ... Allerdings gelingt es mir heute hier öfter mal "Tach " zu sagen, der Ort hat mich gefesselt. Man sollte allerdings die Blütezeiten so ab Mai bis Juni nutzen - einfach traumhaft hier. Unser letzter Besuch im Mai 2010 fiel allerdings in eine mehrtägige Regenphase ...
Zuletzt aktualisiert am 28. September 2010

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